Produkthaftungsvermeidung
Das von vielen Teilnehmern gewünschte Thema „Produkthaftung und deren Vermeidung“ wurde von Herrn Wänke von TQM 2000 Unternehmensberatung in aller Härte und mit Praxisbeispielen vorgetragen.
Der Unterschied zwischen vertraglicher- und außervertraglicher Haftung wurde dargestellt. Neben dem europäischen und deutschen Gesetzen der Produktsicherheit / Produkthaftung wurde auch die aktuellen Entwicklungen in den USA (Trade Act) betrachtet.
Der Referent erläuterte die neuen Tendenzen bei der Rechtssprechung (Musterurteile), die einen Trend erkennen lassen, dass der Hersteller (OEM) und „Inverkehrbringer“ des Produktes nicht mehr ungeschadet alle Risiken und Kosten den Zulieferanten übertragen kann.
Bei den Praxisbeispielen wurden neben den wieder steigenden Rückrufen in der Automobilindustrie, kritisch die Entwicklungen der Rückrufe in der Konsumgüter-industrie und den Baumarktprodukten betrachtet. Das sich die Rückrufe trotz steigender Anzahl von zertifizierten Unternehmen erhöhen, mag Zufall sein, drückt aber auch eine teilweise unzureichende Risikobetrachtung und Qualitätsvoraus-planung (Projektmanagement) aus. Für die Sicherung der Durchgängigkeit der „Kritischen Merkmale“ sind die Auditoren teilweise unzureichend ausgebildet und leisten wegen der Vertragssituation viele Zugeständnisse. Hier sollte über das gesamte Zertifizierungssystem insbesondere unter den Gesichtspunkten des globalen Einkaufs nochmals nachgedacht werden.
Da bei der Produkthaftung immer die Gesetze des Hersteller- und Vertriebslandes zu berücksichtigen sind, ist eine Gesetzesrecherche vor Entwicklungs- / Produktions-beginn durchzuführen. Hier gilt es systematisch und strukturiert die kritischen Merkmale an den Produkten, Liefer- und Produktionsprozessen zu ermitteln und in der gesamten Wertschöpfungskette zu berücksichtigen. Den dokumentierten Nachweisen zur Sicherung der Beweisumkehr kommt dabei einer besonderen Bedeutung zu.
Die Methoden der Qualitätsvorausplanung (z.B. FMEA, Fehlerbaumanalyse) bilden dafür eine gute Grundlage. Herr Wänke wies aber darauf hin, dass die Risikoanalyse (FMEA) nur so gut sein kann, wie die Qualifikation / Kompetenz der Teilnehmer. Hier erläuterte der Referent Beispiele, wie in Unternehmen leichtfertig Risikoanalysen durchgeführt werden und wie wenig sich teilweise Geschäftsführer für diese Methode und die Risiken für das Unternehmen interessieren. Hauptsache man bekommt die Bemusterung vom Kunden und kann dann die FMEA „Abheften“.
